Leben Totgesagte länger?
Der Bundesrat will neue AKW ermöglichen. Ernsthaft, wie um Himmels willen kommt man auf die Idee, wieder Atomkraftwerke in die Welt – Pardon! – ins Schweizer Mittelland setzen zu wollen?
Editorial von Doris Elmer
Leiterin Projektfinanzierung und Legate SES
Liebe Leser:innen
Haben es die Freunde (und die wenigen Freundinnen) dieser teuren, unzuverlässigen und gefährlichen Dampfmaschinen nicht erkannt, dass der Fortschritt heute nicht mehr zischt, raucht und radioaktiv strahlt? Dass uns ein stetig wachsender, zuverlässiger Schwarm von Solar- und Speicherzellen, Wasser- und Windturbinen still und harmlos versorgt?
Was fasziniert an monströsen Atomkraftwerken? Muss ein «Kraft-Werk» etwas Teures, Gefährliches und Grosses sein? Eine vermeintlich gebändigte Bestie im Käfig, damit wir uns mächtig und sicher glauben können?
Nur: Sie lässt sich nicht dauerhaft zähmen (und logischerweise nicht versichern). Irgendwann bricht sie aus, ein Sicherheitsmangel am Käfig, eine Flut oder ein Anschlag genügen. Dann richtet sie schlimmste Verheerungen an, weit über die Landesgrenzen hinaus.
Oder noch schlimmer, man (Mann?) droht, sie ausbrechen lassen: Nur schon die Vorstellung lässt die Welt zu Recht vor Schreck erstarren. Wer die Bestie beherrscht, fühlt sich gross und stark. Ist das der Grund, warum sich die kleine, neutrale, humanistische Schweiz bisher weigert, internationale Abkommen gegen Atomwaffen anzuerkennen? Sind hier die gleichen Kräfte am Werk wie die, die neue AKW wollen?
Mit Ihrer Unterstützung sorgen wir dafür, dass diese Untoten bleiben, wo sie hingehören: auf dem Friedhof der Geschichte. Dort werden sie uns noch genug beschäftigen: Auch unter der Erde geben sie ja keine Ruhe – noch für Zehn- oder gar Hunderttausende von Jahren.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gehaltvolle Lektüre und danke Ihnen herzlich für Ihr Engagement.
Doris Elmer
Leiterin Projektfinanzierung und Legate
Mitglied der Geschäftsleitung
+41 44 275 21 28
doris.elmer@energiestiftung.ch
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