Flexibiliät und Dezentralität statt Gaskraftwerke
Mit der Stromreserve soll die Schweizer Stromversorgung zu jedem Zeitpunkt gesichert sein. Der Bundesrat investiert lieber in CO2-Schleudern statt Verbrauchsreserven, wie sie das Parlament und die Energiestiftung fordern.
von Léonore Hälg
Leiterin Fachbereich Erneuerbare Energien und Klima
Ende Juni hat das eidgenössische Parlament mit überwältigender Mehrheit eine Stromreserve-Vorlage verabschiedet. Es regelt damit, welche Methoden zum Einsatz kommen, wenn in der Schweiz eine Unterversorgung mit Strom droht. Der Nationalrat (183 von 200 Mitgliedern) und der gesamte Ständerat haben beschlossen, auf bestehende Infrastrukturen zu setzen und die volkswirtschaftlichen, umwelt- und klimaschädlichen Auswirkungen der Stromreserve zu minimieren. Statt zusätzlicher Kapazitäten soll eine sogenannte «verbrauchsseitige Reserve» zum Einsatz kommen: Der Stromverbrauch ist zu senken.
Industriebetriebe reduzieren Verbrauch – alle profitieren
Die Energiestiftung hat schon früh in der politischen Debatte die Verbrauchsreserve bekannt gemacht und vorangetrieben. Stromintensive Industriebetriebe sollen sich bereithalten, um vorübergehend und flexibel ihren Stromverbrauch zu reduzieren, sollte eine Unterversorgung im Gesamtsystem drohen. Dafür werden sie natürlich entsprechend entschädigt.
So muss keine neue Infrastruktur erstellt werden, Treibhausgas- und Feinstaubemissionen aus Reservekraftwerken können vermieden werden, die Wasserreserve wird geschont. Und die Unternehmen, die sich zur Stromreduktion verpflichten, erhalten Vergütungen – für Zeiten, in denen sie aufgrund der Knappheit zudem hohe Strompreise zahlen müssten. Mit den zusätzlichen Einnahmen können sie beispielsweise ihre Lager mit Waren aufstocken, deren Produktion im Fall der Stromknappheit ausfallen oder gesenkt würde.
Bundesrat bevorzugt CO2-intensive Reservekraftwerke
Statt die Umsetzung zu planen, erteilten der Bundesrat und das zuständige Departement aber lieber den Auftrag für die Instandsetzung bestehender und den Bau vier neuer Gaskraftwerke für geschätzte über 3,5 Milliarden Franken. Mit den Möglichkeiten der Verbrauchsreserve, der bestehenden Wasserspeicher und Notstromaggregate sowie der Importe sind solche teuren, emissionsintensiven Kapazitäten schlicht nicht nötig.
Die Energiestiftung wird sich auch in Zukunft mit Nachdruck für eine nachhaltige, flexible und auch intelligente Sicherung der Stromversorgung einsetzen.
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Léonore Hälg
Leiterin Fachbereich erneuerbare Energien & Klima
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