energiestiftung.ch energiestiftung.ch Magazin 2026-03-Energie&Umwelt → Output: Fossilenergie ist Kriegsenergie
Energie und Umwelt - Fatale Erdölabhängigkeit

Fossilenergie ist Kriegsenergie. Das zeigt sich an der Strasse von Hormus gerade sehr deutlich. Auch Russland finanziert seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor allem mit Erdgas und Erdölverkäufen. Und nach dem Überfall auf Venezuela Anfang Jahr sagte Donald Trump offen, dass er vor allem den US-Ölfirmen die Kontrolle über die venezolanischen Ölressourcen verschaffen wollte.

Kriegsenergien sind Erdöl und Erdgas auch dadurch, dass sie das Klima zerstören. Das schlägt Menschen weltweit in die Flucht. Schon lange spricht alles dafür, die fossilen Energien zu überwinden. Der Iran-Krieg hat das nur noch einmal besonders deutlich gemacht.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) sprach im März von der «grössten Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes». Sie rief zum Energiesparen auf und empfahl zehn kurzfristig wirkende Massnahmen – von Homeoffice über Geschwindigkeitsreduktionen auf der Strasse bis hin zur Reduktion der Flugreisen.

Doch viele Länder taten genau das Gegenteil und setzten Mineralölsteuern aus oder führten eine Obergrenze für Benzin ein. Damit schonten sie zwar kurzfristig die Portemonnaies ihrer Wähler:innen, gleichzeitig bremsten sie aber die Energiewende aus.

In der Schweiz haben die gestiegenen Preise bislang erstaunlich wenig politisches Echo ausgelöst, was sich aber schnell ändern kann. Denn die Schweiz importiert zwei Drittel ihrer Energie. Dafür flossen in den letzten zehn Jahren zwischen 5 und 11 Milliarden Franken ins Ausland ab.

Bis spätestens 2050 dürfen fossile Energien nur noch in wenigen Ausnahmefällen genutzt werden. Das gibt das Klimaschutzgesetz vor. Verfolgt die Schweiz dieses Ziel ambitioniert, verringert sie damit ihre Abhängigkeit vom Ausland, hört auf, mit ihrem Energiekonsum Kriege zu finanzieren, und macht sich widerstandsfähig gegen Preisausschläge: Die IEA hat 2022 festgestellt, dass Länder mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien weniger starke Energiepreisschwankungen erlebten.

Und kurzfristig hilft, was unsere Bundesverfassung sowieso fordert: Energie sparen. Warum hat eigentlich niemand autofreie Sonntage wie bei der Ölkrise 1973 gefordert? Das reduzierte damals den Erdölverbrauch wohl nur wenig – war aber ein grosses Volksfest und liess das Energiesparen positiv erleben.

Fachbereich Energiesuffizienz & Klima

Marcel Hänggi

Leiter Fachbereich Nachhaltige Energienutzung & Klima
+41 44 275 21 29
marcel.haenggi@energiestiftung.ch